Real Life Lessons? – Die fünf besten Quests in WoW, die uns für das Leben lernen lassen

Computerspiele verdummen unsere Jugend – diese Annahme gilt spätestens seit Anfang 2014 als widerlegt, als der Spiegel titelte „Spielen macht klug“ (Ausgabe 03/2014). Doch was in den Köpfen so manch eines Politikers, Kriminologen oder sonstigen selbst ernannten Jugendschützers noch immer nicht ganz angekommen zu sein scheint, ist uns Gamern ebenso wie denen, die die „Rohstoffe“ unseres liebsten Hobbies produzieren, schon lange klar gewesen: Videospiele vermitteln wichtige Lebensweisheiten – naja, einige zumindest. World of Warcraft gehört in den illustren Kreis derjenigen Machwerke virtueller Realitätsformung, die uns immer wieder mit einem gewissen Augenzwinkern mal mehr, mal weniger offensichtlich auf Dinge aufmerksam machen, die auch Einfluss auf unser reales Leben nehmen können (von der verhauenen Klassenarbeit oder missratenen Präsentation nach einer durchzockten Nacht mal abgesehen). Der folgende Artikel präsentiert euch – ebenfalls nicht ganz ernst gemeint – die völlig subjektiv ausgewählten fünf besten Quests in WoW, die diesem Prinzip der Vermittlung von „Lessons of Life“ entsprechen.

Platz 5: Quest „Die Hallen des Steins“, Instanz „Die Hallen des Steins“ (Nordend), Fraktion Allianz/Horde

Inhalt: Eigentlich klingt diese Quest ganz unspektakulär – Brann Bronzebart möchte, dass ihr ihn bei seiner Erkundung der Hallen des Steins begleitet, während er versucht, seine Untersuchungen zu den Ursprüngen des Zwergenvolkes voranzutreiben. Kurz vor Ende der Instanz, genauer gesagt, bevor ihr dem Endboss Sjonnir gegenüber tretet, betretet ihr mit Brann einen runden Raum, der eine Art Konsole beheimatet. Brann macht sich sofort an ihr zu schaffen und aktiviert einen Sicherheitsmechanismus, der mehrere Wellen von Gegnergruppen auf euch loslässt. Als Brann es schließlich schafft, den Mechanismus zu deaktivieren, erscheint eine Truhe mit Loot, die ihr plündern könnt – sofern ihr denn die vorangegangenen Kämpfe überlebt habt.

Lektion: Wer hat nicht schon einmal einen Horrorfilm angeschaut und sich gefragt, warum die blonden Mädels mit einem offensichtlichen IQ von 80 immer die Treppe nach oben laufen anstatt nach draußen, wenn sie von einem maskierten, bewaffneten Killer verfolgt werden? Auch in WoW gibt es immer mal wieder derartige klassische „face-palm“-Momente, wenn mal wieder jemand einfach mal den Hebel da drüben in der Ecke zu betätigen, obwohl die übriges Gruppe noch mit den Trashmobs beschäftigt ist. Ja, der Hebel blinkt aufgeregt und schreit geradezu danach, von euch gedrückt zu werden. Aber nein, vielleicht solltet ihr diesmal gerade nicht eurer Neugierde nachgeben – oder doch? Brann Bronzebart betätigt hier den Mechanismus, um seine Neugierde zu befriedigen und eines der größten Mysterien der Zwergengeschichte zu lüften. Ganz ähnlich wie Neo in Matrix habt ihr immer wieder die Wahl zu treffen, ein Risiko einzugehen und den Knopf zu drücken bzw. die rote Pille zu nehmen, um dann mit den entsprechenden Konsequenzen leben zu müssen, oder aber abzuwarten und nichts zu tun.

Brann bringt zwar unbeabsichtigt euch und eure Abenteurergruppe in Gefahr, als er den Knopf an der Titanenmaschine drückt, aber andererseits hätte euch vorher klar sein müssen, dass das Ganze kein Kindergeburtstag werden würde. Letztlich besiegt ihr die Verteidigungsvorrichtungen und Brann ist den Antworten, die er sucht, einen Schritt näher. War es das Risiko wert? In diesem Fall vermutlich schon. Aber hier lehrt euch WoW, dass es sinnvoll ist, Kosten und Nutzen abzuwägen, bevor ihr eine Entscheidung trefft und nicht etwa unüberlegt den ominösen roten Knopf betätigt, nur um zu sehen, „was das wohl macht“; manchmal aber ist die Belohnung das Risiko wert.

Platz 4: Die „CSI-Westfall“-Questreihe, beginnend mit der Quest „Brauenwirbels Urkunde“, Goldhain/Westfall, Fraktion Allianz

Inhalt: Nachdem ihr in Goldhain einige Defias-Schurken umgehauen habt, findet ihr durch Zufall eine Besitzurkunde für ein Stück Land in Westfall, unterschrieben von einem Bauer namens Theodor Brauenwirbel und dessen Ehefrau Verna. Auf der Rückseite befindet sich eine Notiz, aus der hervorgeht, dass die Defias offenbar versuchen, sich Ländereien in Westfall anzueignen. Ihr erhaltet den Auftrag, Brauenwirbel, der laut der Notiz mit ihrem beschädigten Wagen auf einem Feldweg in Westfall feststecken, die Urkunde zurückzubringen. Als ihr am Ort des Unfalls eintrefft, findet ihr den Bauer und seine Frau tot vor, während sich ein Lieutenant Horatio Laine über die Leiche beugt. Laine stellt sich als Ermittler aus Sturmwind heraus, der euch um Hilfe bei der Aufklärung des Mordes bittet. Ihr befragt in der Folge einige Zeugen, findet Indizien und belauscht Gespräche. Schnell wird euch klar (es sei denn, ihr seid eine der erwähnten Blondinen mit einem IQ von 80), dass die Defias für den Mord an den Brauenwirbels verantwortlich sein müssen. Das Problem ist nur: Horatio Laine hat offenbar nicht nur eine dämliche Sonnenbrille, sondern auch noch Tomaten auf den Augen und erklärt euch lediglich, dass da ja „Einiges nicht zusammen“ passe, woraufhin er euch zu den Saldeans schickt, um dort weitere Ermittlungen anzustellen – warum, weiß er wahrscheinlich selbst nicht. Auch wenn das Ganze schließlich doch über einige Umwege zur Lösung des Falles führt, hätte man bei den richtigen Schlussfolgerungen auch schneller zum gleichen Ergebnis kommen können, nicht wahr?

Lektion: Diese Quest erscheint dem geneigten Gamer als klassischer Fall der Theorie von Ockhams Rasiermesser („Occam’s Razor“), die besagt, dass die einfachste bzw. simpelste Theorie oder offensichtlichste Theorie häufig die beste ist („Wenn du Hufe hörst, denk an Pferde, nicht an Zebras!“). So verschwendet Horatio Laine lieber Zeit und Ressourcen darauf, in zunächst vollkommen abwegige Richtung weiter zu ermitteln, als die offensichtliche Lösung, nämlich, dass die Defias hinter allem stecken, wahrzunehmen. Eine Anwendung dieser Theorie auf unseren Alltag kann uns so manche Entscheidung erleichtern, wenn wieder einmal die einfachste Lösung die beste ist und wir ein Problem direkt konfrontieren, anstatt umständlich um es herum zu arbeiten.

Platz 3: Die Nesingwary-Safari Questreihen („Töte 100 von X“), Schlingendorntal/Nagrand/Sholazar Becken/Tal der Vier Winde, Fraktion Allianz/Horde

Inhalt: Diese Quests sind insgesamt ebenso simpel wie öde und treiben das Prinzip „Töte X von Y“ auf die Spitze, indem ihr gleich dreimal drei Quests erhaltet, in denen ihr eine gewisse Anzahl von Lebewesen der lokalen Fauna abschlachten müsst, um schließlich jeweils eine weitere Quest für das ultimative Beutetier zu erhalten und zugleich eine durchaus ansehnliche Belohnung einzustreichen.

Lehre: Diese Quests waren die Pest. Sie waren langweilig und dauerten ewig, und wenn man Pech hatte, waren noch eine handvoll anderer Spieler auf die Idee gekommen, dass sie ausgerechnet jetzt ebenfalls diese Sisyphus-Arbeiten abschließen wollten. Nur die Belohnungen waren gut, insbesondere zu Zeiten von Burning Crusade, wo man mit Stolz den Stab von Nesingwarys Safari, Hemets Elekkjagdgewehr oder eine der anderen Gegenstände entgegennahm und noch eine ganze Zeit lang als „best in slot“ behielt. Was bleibt uns also? Das Leben ist kein Ponyhof. Manchmal muss man eben Dinge tun, die man hasst, weil sie langweilig, langwierig und mühsam sind; aber wenn wir durchhalten und uns zusammenreißen, dann wird allein schon die Befriedigung, es endlich geschafft zu haben, belohnend genug sein.

Platz 2: Quest „Der Weg des letzten Kaisers“, Kun-Lai-Gipfel, Fraktion Allianz/Horde

Inhalt: Ursprünglich als Teil der Questreihe im Brachland um die Revolution der Dunkelspeere und Garroshs Entwicklung zum blutrünstigen Massenmörder in Patch 5.3 von „Mists of Pandaria“ ins Spiel implementiert, kann diese Quest noch immer im Rahmen eines Strangs an Aufgaben von Lehrensucher Cho absolviert werden. Die Quest betreut euch mit der Aufgabe, den Seher Hao Pham Roo (dessen Name im Englischen ein Anagramm für „Emperor Shao Hao“ darstellt) einen steilen Berghang im Nimmerlaya-Gebirge von Kun-Lai hinaufzubegleiten, indem ihr in dem dort tobenden Schneesturm ein Seil an einzelnen Punkten entlang des Wegs verankert, an dem der Seher dann entlang wandern kann. Sobald ihr oben angekommen seid, erscheint der Geist von Shaohao und berichtet euch von seinem erfolgreichen Kampf gegen alle Shas bis auf das des Stolzes, das er nicht besiegen konnte, weil er an dem Stolz für sein Volk festhielt und glaubte, es könne ohne Hilfe von außen gegen die Übel der Welt bestehen.

Lektion: Diese Quest steht stellvertretend für eine ganze Reihe von Aufgaben, die den Spieler in den von fernöstlicher Philosophie inspirierten Gebieten Pandarias erwarten. Hier geht es vor allem um die Bedeutung von Stolz sowie die Notwendigkeit, die Momente zu erkennen, in denen man Hilfe annehmen und eigene Fehler eingestehen sollte – im Fall von Shaohao bestand diese Notwendigkeit in der Verteidigung gegen das Sha, für den Spieler selbst die Erzählung des Kaisers vielfältig auf alltägliche Lebenssituationen übertragbar, nämlich immer dann, wenn wir uns aus Stolz weigern, Hilfe bei einem Problem zu akzeptieren, das gemeinsam mit einem Freund schneller zu lösen wäre, beispielsweise dieser Bosskampf in eurem Lieblingsspiel, den ihr auch nach hunderten Versuchen noch nicht gemeistert habt. Verflucht seist du, King K. Roll (Donkey Kong 64)!

Platz 1: Quest „Beamtenmikado“, Vorgebirge des Hügellands, Fraktion Horde

Inhalt: Diese Quest wurde bereits mehrfach als beste Quest in World of Warcraft bezeichnet und für diese Aufgabe allein lohnt es sich, als Allianzler einen Hordecharakter zu erstellen und auf Level 19 zu spielen. Bereits der Questtext spricht aus, worum es im Leben wirklich geht: warten. „Wer sich zuerst bewegt, hat verloren, <mein Lieber/meine Liebe>. Nur so kann man es als hochrangiger Offizier der Verlassenen zu etwas bringen. Ja, das hier ist in der Tat das gute Leben und Ihr werdet es leben! [] Wenn Ihr bereit seid, steigt auf mein braves Skelettross auf – damit man Euch nicht übersieht – und fangt an, das Leben zu leben! Was bedeutet, einfach hier herumzustehen und zu warten.“ In dieser Quest spielt ihr selbst erstmalig einen Questgeber, der – man kann es sich denken – in der Gegend rumsteht und „Befehle“ an „die kleinen Anfänger“ ausgibt. Es kommen dann drei NPCs mit den Namen Kagbuhn, Königsmörder Orkus und Jonny Imba vorbei.

Lektion: Geduld ist eine Tugend und nur wer es versteht zu warten und Geduld zu üben, wird es im Leben zu etwas bringen – auch wenn das bedeutet, dass ihr es während des Wartens nur mit Idioten zu tun bekommt, die ihr dann später auch noch aus der Sch**** holen müsst.

Natürlich erhebt dieser nicht ganz ernst gemeinte Artikel keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es gibt zahlreiche weitere Quests in WoW, die einen Platz in diesem Ranking verdient hätten, und die uns bei genauerem Hinschauen ein buntes Potpourri an Lebensweisheiten anbieten, vor dem so manches Pseudo-Selbsthilfebuch erblassen mag – auch wenn sie vielleicht gar nicht direkt mit einer derartigen Intention von den Questdesignern bei Blizzard angelegt wurden. Doch jetzt seid ihr gefragt: Welche Quests in WoW sind eurer Meinung nach die besten in Hinblick auf die Vermittlung lebensphilosophischer Inhalte? Ist meine Auswahl vollkommen daneben und ihr wisst es besser? Schreibt es mir in die Kommentare.

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